John Paxing’s Geschichten

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Kurzbiografie

  • *1986, Heiligabend
  • Aufwachsen in einem Hotel im Harzer Wald
  • 2012 Master der Neuro- und Verhaltensbiologie in Göttingen
  • seit 2014 Lehrer für Biologie in Berlin
  • 2016 Bachelor der Englischen Philologie in Berlin

Über John Paxing

Als ich vier Jahre alt war, kauften meine Eltern ein altes Hotel, und wir zogen aus der grauen, großen Stadt in einen kleinen Ort im Harzer Wald. Wer ein wenig Fantasie hat, kann sich vorstellen, wie das Aufwachsen in einem Hotel am Ende der Straße, direkt am dunklen Wald, mit meist unbelegten Gästezimmern, einem sehr großen Keller und einem schlecht beleuchteten Schulweg wohl einen Faible für Gruseliges in mir ausgelöst hat.

Da meine Eltern zwar immer zu Hause, aber eigentlich auch immer bei der Arbeit waren, wuchs ich größtenteils unbeaufsichtigt auf. Ich wusste genau, wo die Süßigkeiten deponiert waren, konnte mir ungestört die gruseligsten Filme anschauen und hörte die Geschichten der Stammgäste mit an, wenn der Abend spät wurde und das Bierfass leerer. Ich hatte nicht viele Freunde, und die wenigen Kinder, die im Hotel mit ihrer Familie Urlaub machten, waren bald darauf wieder verschwunden – also verbrachte ich viele Stunden allein, vorzugsweise in meinem Zimmer und im Wald. In meinem Wald.

Ich kannte den Wald wie meine Westentasche. Am Tag bedeutete er lange Spaziergänge, Begegnungen mit Rehen und den Spinnen, Eidechsen und Ringelnattern, die ich so gerne fing (und wieder frei ließ).

Nachts bedeutete er Alpträume.

Ich träume manchmal noch immer davon, dass die Kreaturen auf der anderen Straßenseite in der Dunkelheit des Waldes auf den Fehler warten, dass ich die Haustür mitten in der Nacht öffne. Oder dass der Poltergeist im Flur mein Atmen schließlich hört und mich in meinem Bett in dem Zimmer unter dem Dach entdeckt. Oder wie die Dinge, die mich in den dunklen Morgenstunden durch die großen, schwarzen Fenster des Speisesaals beobachten, darauf warten, dass ich meinen Schulweg antrete.

Über die Jahre wuchs in mir eine Beziehung zu dunklen Wäldern heran, die so zwiespältig ist, wie eine Medaille zwei Seiten hat. Die Tages-Seite dieser Medaille ließ meine Neugier am Lebendigen wachsen, führte mich in ein Biologie Studium und bildete mich zum Naturwissenschaftler aus. Die Nacht-Seite hält das Kind, das so gerne Gruselfilme schaut und mysteriöse Geschichten liest, weiter am Leben.